November 20, 2013 0

Was wollte der Künstler uns damit sagen?

By in Ausstellungen

Diese Frage stellt die erste große Al’bert-Retrospektive in Russland, die am 22. November im Moskauer Museum für Zeitgenössische Kunst (MMOMA) in der Filiale am Gogolevskij Bul’var eröffnet wird (HIER). Als Kuratorin fungierte Ekaterina Degot’. Ich wünschte, ich wäre in Moskau!

Es ist schon wieder zwei Jahre her, dass Jurij Al’bert den Kandinskijpreis für seine Installation “Moscow Poll” bekommen hat. (Offizielle Seite des Kandinskijpreises: HIER. Meine Besprechung des ausgezeichneten Werkes: HIER und HIER.) Und nein, es ist sicher kein Zufall, dass das Thema ‘Freiheit’ gerade mal wieder in meinem letzten Post aufgekommen ist (HIER). Immer wieder drängte sich die Frage nach der Freiheit der Kunst und den daraus resultierenden Positionen von Künstler und Betrachter in den Mittelpunkt von Al’berts Schaffen. Damals resümierte ich: “Seit den frühen 1980ern tritt der Konzeptualist Al’bert in seinem grafischen und fotografischen Werk in direkten Dialog mit dem Betrachter über Sinn und Unsinn, Bedingtheit und Unbedingtheit eines Kunstwerkes, er radikalisiert diesen Ansatz, stellt die philosophische Betrachtung über das Werk in den Mittelpunkt seines Schaffens (ganz im Sinne Kosuths, den er auch ins Russische übersetzt hat) und macht die ästhetische Erfahrung ostentativ zu einer Begleiterscheinung der sprachlichen Reflexion über sich selbst.” (Zitat) Das Zitat als Verfahren ist übrigens auch ein Markenzeichen Al’berts. Ausführlich zitiert er in seinen Arbeiten Hans Haacke, Andy Warhol, Joseph Kosuth u.a. oder Künstler aus seinem Moskauer Dunstkreis (Vadim Zakharov, Viktor Skersis…).

Der treffende Titel der aktuellen Ausstellung “Что этим хотел сказать художник?” (“Was wollte der Künstler uns damit sagen?”) wirkt wie ein Zitat aus Al’berts Reihe “текстовые работы” (“textuelle Arbeiten”), die paradoxerweise zur “Ikonographie” Al’berts gehören. Ich habe förmlich die grob geweißte Leinwand oder den gerahmten Karton oder den Großdruck mit den akkuraten Großbuchstaben vor Augen:

 

 

Что этим
хотел сказать
художник?

 

 

Wenn die ersten Bilder aus der Al’bert-Retrospektive im Netz auftauchen, werde ich die sicher hier verlinken. Ich bin mir sicher, die Ausstellung ist eine herzliche Einladung zum Dialog über Sinn und Funktion der Kunst, vor allem der zeitgenössischen Kunst, und vor allem in Russland. Und ich bin mir sicher, dass der Zuschauer dieser Einladung zur Reflexion mit Begeisterung und einem Schmunzeln nachkommen wird. Denn Al’bert kommuniziert, trotz aller Metareflexion und kunsthistorischer und -kanonischer Vernetztheit, auf Augenhöhe und mit Ironie und Selbstironie. Denn – die Frage stellt er sich wirklich. Es ist keine didaktische Show, sondern die echte, materialisierte Neugier und Aufgeschlossenheit des Künstlers, die hinter dem Werk steht. Und für mich ist Al’bert, in seiner Medienpräsenz wie in seinen Werken vor allem eines: authentisch!

Eine Besprechung im ‘Kommersant’ von Valentin D’jakonov: HIER
Jurij Al’bert auf der Seite ‘Moscow Conceptualism’ von Vadim Zakharov: HIER

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