February 13, 2015 0

Vyshyvalshitsa / Embroideress

By in Performances, Personen, Russkij Berlin - Русский Берлин

Die Moskauer Fotografin und Dozentin an der Rodchenko Schule für Fotografie und Multimedia Ljudmila Zinchenko zeigte im Rahmen des Berlinale-Programms Forum Expanded gestern ihre erste Auseinandersetzung mit dem Bewegtbild unter dem Pseudonym Lyusya Matveeva.

Ganz großes Kino. Im Gegensatz zum kleinen, fast ausschließlich mit der Handykamera gefilmten Format. Der Produzent Andrej Silvestrov von Cine Fantom vergleicht bei einem kurzen Q&A nach der Premiere das Filmemachen mit Handys mit der Graphomanie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Jeder hatte plötzlich ein Instrument in der Hand. Sei es ein Bleistift oder ein Handy. Aber nicht jeder versteht es, damit Kunst zu machen. Zinchenko versteht es. Sie zaubert ein kleines poetisch-cineastisches Meisterwerk auf die große Leinwand. (Alb-)Traum-Episoden, zusammengehalten vom auf den Computermonitor gestickten Roten Faden. Die Hände haben einige Schwierigkeiten damit, die Nadel durch den Bildschirm zu friemeln. Während der Bildschirm diese Behandlung seinerseits nicht verträgt und zuckend den Dienst versagt. Was bleibt, ist das Ornament.

Die Episoden – absurd, verstörend, surrealistisch. Persönlich. Mit fein portioniertem Humor. Und absoluter Genauigkeit in der Beobachtung. Ein radikal subjektiver Blick und gleichzeitig ein zivilisatorisches Psychogramm.

Für mich wirkte das Stück wie eine Literaturverfilmung. Die angenehme und authentische Stimme der Autorin liest uns aus dem Off ihre Träume und Gedanken vor, nicht zuviel Text, präzise literarisiert. Dazu der Bilderstrom. Fein ziterte kanonische Russlandklischees (Der Friedhof unter Birken. Der Blick durch das gardinenverhangene Fensterchen des Landhauses in die gleißende Sommersonne. Weite und Stromleitungen. Das dreckige Moskau. Das nächtliche Moskau. Menschenmassen in der Metro. Milizionäre, ach nein, Polizisten…) wechseln sich mit experimentellen Einstellungen ab. Fliegende Kameras, Doppelbilder, hastige Bewegungen, Unschärfen.

21 Minuten lang Kino zum Anfassen. Und genießen, wirklich. Gleichzeitig authentisch und professionell.

Link zum Berlinale-Programm: HIER
Link zur Kurzbesprechung von Antonio Geusa bei Cine Fantom: HIER

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